Felix und Ulrich Müller

Percht und Krampus. . .

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Allgemeine Informationen

Zusammenfassung des Buches:
"Das Verbotsgesetz im Spannungsverhältnis zur Meinungsfreiheit"

Felix Müller: Quelle forme constitutionnelle pour l'Europe de demain?

Felix und Ulrich Müller u.a.: Schota Rustaveli, "Der Ritter im Tigerfell"

Lebenslauf

Felix privat







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Percht und Krampus, Kramperl und Schiach-Perchten.
Felix und Ulrich Müller


I „Percht" und „Krampus"
(Ulrich Müller)

Perchten und Krampusse (1) wie man sie zur Winterszeit im bayerisch-österreichischen Alpenraum in vielerlei Ausprägungen sehen und erleben kann, sind dort allgemein bekannt und (ungeachtet bzw. vielleicht gerade wegen ihres schrecklichen Aussehens) höchst 'beliebt'; andererseits haben sie die Fachleute zur gelinden Verzweiflung getrieben. Denn: „Perchten-Glaube und Perchten-Brauch sind die bekanntesten Mittwinterbräuche Salzburgs und gehören zu den schwierigsten und vielfältigsten Kapiteln der Volkskultur in Österreich." (2) Jeder und jede, den man auf der Straße dazu befragt, ist mehr oder minder fest davon überzeugt, daß diese Bräuche und ihre Figuren weit ins Mittelalter und darüber hinaus in 'mythisch'-heidnische Vorzeit zurückreichen; schon im Titel von Publikationen zu diesem Thema taucht das Wort „Mythos" bzw. „Mystik" auf (vergleiche auch das anschließende Literaturverzeichnis!), und noch öfters erscheint es in den Abhandlungen selbst.

Was aber sind Krampus und Percht heute, und wo findet man sie?
Die Herkunft des Wortes „Krampus" (3) ist ungeklärt. Es ist in den alpenländischen Dialekten der Name für den wilden, d.h. maskierten und zottigen Begleiter des vorweihnachtlichen Heiligen Nikolaus. Der einzelne Krampus oder eine Krampus-Gruppe entspricht hinsichtlich der Funktion also dem „Knecht Rupprecht"; 'ihre Zeit' sind der 6.Dezember und die Tage unmittelbar davor.

Das Wort „Percht" ist in Österreich, Bayern und unmittelbar angrenzenden Landschaften verbreitet, und zwar insbesondere in den Alpengebieten. (4) Es erscheint im Singular und im Plural, als Einzelwort (Simplex) und in zahlreichen Komposita, also Wortzusammensetzungen (z.B.: Dreikönigspercht, Schiachpercht, Schönpercht, Schnabelpercht, Perchtlfrau); mehr oder minder sinngleiche Bezeichnungen sind Stampa (Niederösterreich), Luzia (Burgenland), Pudelfrau (Oststeiermark, Burgenland), Hexe, Rauhweib, Baba (Kärnten, Slowenien). Bezeichnet werden damit Masken-Figuren ganz unterschiedlichen Aussehens, das von fast feierlicher Schönheit („Schönperchten") bis zu grotesker Fratzenhaftigkeit („Schiachperchten") reicht. Sie erscheinen einzeln und in verschieden großen Gruppen, und zwar im Umkreis von drei bestimmten Winterabenden und -nächten, den sog. „rauhen Nächten": in der Nacht vor Nikolaus (6.Dezember), zu Wintersonnwend (22.Dezember) und vor Dreikönig (6.Januar). „Percht" meint ursprünglich eine weibliche Gestalt (Frau Percht, Domina Perchta), verkörpert wird sie bzw. ihre Gruppe aber ausschließlich von Männern, zumeist von jungen Burschen.

Das Wort „percht" entspricht althochdeutsch „peraht/ beraht" und bedeutet strahlend, glänzend, und es ist in dieser Bedeutung in Eigennamen wie Berchthold, Albrecht, Rupprecht/ Rupert bis heute erhalten. Als Termin-Bezeichnung („giperchtennaht") findet sich das Wort erstmals in einer Mondseer Glosse (ca.900/1200): Es bezeichnet dort die „Nacht der Erscheinung Christi" („theophania, apparitio" ) (5), also die Nacht vor Epiphanias (=Dreikönig, 6.Januar).

Mit der Etymologie des Namens „Bercht(a)/Percht(a)" hat man sich seit dem frühen 18.Jahrhundert (6) beschäftigt: Er wurde einerseits mit dem bereits erwähnten althochdeutschen Wort „peraht/ beraht" in Verbindung gebracht; demgemäß würde er also entweder die Leuchtende, Strahlende meinen - oder aber die 'Frau der Perchtnacht'. Andererseits wurde der Name gelegentlich aber auch von dem althochdeutschen Verb „pergan" (bergen, verbergen, im Sinne von: schützen, aufbewahren) abgeleitet, und zwar bezogen auf den Maskenträger. Wirkliche Einigkeit besteht bis heute nicht, doch neigt man am ehesten der Erklärung „Percht" = die Leuchtende zu.

In jüngster Zeit kann man beobachten, daß die Grenzen zwischen den Bezeichnungen „Percht" und „Krampus" zumindest im Salzburgischen, und zwar für den Nikolaus-Termin, fließend geworden sind: Nikolaus wird zwar nach wie vor von (zumeist mehreren) Krampussen begleitet, die aber völlig das Aussehen von Schiachperchten (=häßlichen Perchten) haben. Und das nächtliche Treiben der Perchten am und vor dem Nikolaus-Tag, mit und vor allem auch ohne den die Belohnungen und Strafen bringenden Bischof, heißt in den Dörfern südlich von Salzburg (und auch in der Stadt selbst, wo es eher eine Neuheit ist) „Krampus-Treiben".

Es kann nun nicht das Ziel dieses Beitrages sein, die sehr komplizierten Ausformungen und speziellen Bräuche der Perchten, die von Tal zu Tal, von Dorf zu Dorf verschieden sein können (bei ersichtlich gleichem Kern), hier auszubreiten - dafür sei auf die volkskundlichen Spezialabhandlungen verwiesen, von denen einige im Literaturverzeichnis aufgeführt sind. Unsere Ausführungen (7) beziehen sich - als exemplarischer Fall - auf das Krampus- und Perchten-Treiben in den Flachgau-Gemeinden unmittelbar südlich der Stadt Salzburg, insbesondere Niederalm, Anif und Grödig, und zwar so wie wir es in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten miterlebt haben.

Hier haben, wie auch anderswo, Perchten und Krampusse in jüngster Vergangenheit, etwa seit Mitte der Siebziger Jahre, eine veritable Renaissance erfahren. Die Fachleute sind sich dabei bis heute nicht einig, ob es sich hier um die Wiederbelebung früherer, tatsächlich alter Bräuche handelt - oder um einen modernen Folklorismus, wo „auf der Suche nach Geschichte" eine „Selbstfindung im Mythos" (um Formulierungen aus einem Aufsatztitel von Hans Schubladen aufzugreifen) angestrebt wird, unter 'Ausbeutung' der Geschichte und der Tradition.

Das „Krampus-Treiben" in unserem Dorf (Niederalm) und der unmittelbaren Nachbarschaft konzentriert sich auf die Tage vor und um Nikolaus. Die Krampusse entsprechen hier im Aussehen den Schiachperchten, und sie treten in größeren oder kleineren Gruppen sowohl als Begleiter des Heiligen als auch alleine auf. Die Burschen, welche die Krampusse verkörpern, haben sich ihre jeweilige 'Ausrüstung' zumeist selbst besorgt und hergestellt: furchterregende Holzmasken, stark bemalt und stets mit eindrucksvollen Hörnern versehen; ein zottiges Fellgewand, mit großen und schweren Schellen; und dazu, zu weiteren Einschüchterung des Publikums, etwas zum Zuschlagen (Pferdeschwanz, Rute). Die gesamte Ausrüstung ist viele Kilogramm schwer, und das Laufen als Krampus ist eine beträchtliche Anstrengung, die viel Kraft und Ausdauer verlangt.

Im Sinne von Hans Schubladen (8) erscheint es nun aber wichtig, solche brauchtümliche Traditionen nicht nur von außen zu beobachten, sondern auch auf das „Bewußtsein der Akteure, ihrem Herangehen an Traditionen und/oder Geschichte besonderes Augenmerk" zu geben. Dies geschieht im folgenden Kapitel, das als persönlicher Erfahrungsbericht, aus der Sicht eines an dem 'Brauch' aktiv Beteiligten, gleichzeitig ein zusammenhängendes Dokument zum hier behandelten Thema darstellt und damit eine moderne volkskundliche Primärquelle bildet.

(U.M.)


II 'Wenn der Nebel über die Felder zieht':
Erfahrungsbericht eines Krampus
(Felix Müller)

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, das Wetter kälter. Nebelschwaden ziehen über die Felder. Im Dorf hängt der Geruch verbrennenden Holzes, der aus den Schornsteinen steigt. Was für die meisten Menschen ein Signal für den kommenden Winter, die Zeit des Einigelns ist, ruft bei den jungen Männern, die bei den „Niederalmer Krampussen" sind, ein eigenartiges Herzklopfen hervor.

Schon immer gab es in Niederalm - in meinem Heimatdorf mit ca.1500 Einwohnern - das Brauchtum des Krampus. Niemand weiß eigentlich so richtig, woher der Krampus kommt, ob er nun heidnischen oder sonstigen Ursprungs ist. Niemand interessiert sich auch dafür, warum der Krampus mit dem St.Nikolaus von Haus zu Haus zieht. Faktum ist, daß schon, solange man zurückdenken kann, um die erste Rauhnacht - also den fünften Dezember - diese Perchten ihr Unwesen treiben. Mit Sprüchen, wie: „Früher sind wir noch mit angemalten Strumpfhosen und umgedrehten Mänteln unterwegs gewesen", versuchen Ältere uns natürlich darauf hinzuweisen, daß wir schon sehr von der heutigen Zeit korrumpierte Krampusse sind. Doch auch das stört uns nicht sonderlich. Krampus bedeutet eine Woche lang „high live" - denn natürlich laufen wir nicht mehr nur am fünften und sechsten Dezember: Eine Woche des Feierns, der durchzechten Nächte und des Junggesellenlebens.

Die Vorbereitungszeit beginnt schon im September. Krampuslaufen ist heutzutage nicht mehr nur ein bloßes „Von-Haus-Zu-Haus-Ziehen". Krampuslaufen ist - auch wenn's vielen Brauchtumschützern und einigen von uns nicht gefällt - eine professionelle Angelegenheit geworden. Jedes Jahr veranstalten wir nicht nur in unserem Dorf Läufe, 'Kränzchen' (d.h.: wenn die Krampusse Wirtshäuser und Diskos besuchen) und Hausbesuche. Auch in umliegenden Städten und sogar im grenznahen Bayern sind wir unterwegs. Jährlich entstehen neue Krampusgruppen in anderen Dörfern, was bedeutet, daß der Kampf um die begehrten Veranstaltungen härter wird. Der Vorstand und alle Mitglieder unseres Vereines haben alle Hände voll zu tun, alles für „die Woche des Jahres" vorzubereiten. (Für einige von uns ist Krampus schon fast wichtiger, aufregender und lustiger als Weihnachten). Plakate müssen gedruckt und aufgehängt, Listen für Hausbesuche ausgelegt werden, Termine vereinbart, Fahrer und Autos eingeteilt werden usw. usw. Bei aller organisatorischer Hektik darf natürlich nicht vergessen werden, die Ausrüstung vorzubereiten. Nicht wenige schnitzen auch noch heute ihre Masken selbst - oder auch für andere Mitglieder des Vereines. Die Felle müssen gemustert werden, die Glocken entstaubt und die Ruten gebunden.

In den letzten Tagen schaffen es doch alle bis zum Freitag vor dem ersten Advent, beim „Bau-Bezug" dabei zu sein. Jede Krampusgruppe hat ihre eigenen Räumlichkeiten, wo sie sich während der „Krampuswoche" einnistet. Jede dieser Unterkünfte hat natürlich seinen eigenen, unverwechselbaren Namen. Heißt es bei anderen Gruppen „Gruft" oder „Fuchsloch", so heißt unsere Behausung „Bau". Dieser befindet sich in den Umkleidekabinen der Sportanlage. Somit sind wir mit den zahlreichen Duschen, die uns nach den Einsätzen bereitstehen, fast schon privilegiert.

Gewandständer für die schweren Felle werden herbeigeschleppt, Tische und Bänke aufgestellt, der Proviant für die langen Nächte der Krampuswoche eingelagert, und natürlich die Ausrüstung gebracht. Die Stimmung und die Freude auf den ersten Einsatz sind riesengroß. Die neuen Masken werden kritisch gemustert, neue Stilrichtungen bestaunt, Vergleiche gezogen. Wer wird der 'schönste' (also der häßlichste) Krampus dieses Jahres sein? Nicht jeder konnte oder wollte sich in diesem Jahr eine neue Ausrüstung besorgen. Immerhin kostet eine komplette Ausrüstung zwischen 8.000.- und 15.000.- öS. (9) Mittlerweile leben ganze Gerbereibetriebe davon, langhaarige Schaf- und Ziegenfelle bis aus Griechenland und der Türkei zu organisieren und zu Krampusanzügen zu verarbeiten. Schlimmer noch ist es mit den Hörnern: Der österreichische Markt ist abgegrast. Von den noch wenigen Hammeln und Ziegenböcken mit brauchbaren Hörnern sind diese bereits meist zu Lebzeiten versprochen und verkauft. Auch viele Schnitzer verdienen eine erträgliche Summe Geld damit, Masken zu schnitzen.

Jeder Schnitzer hat seinen eigenen Stil. Neue Stile entstehen, alte vergehen. Waren früher die grimmigen Masken mit den riesigen Klappmäulern eines St.Johanners (im Pongau) der Renner, so sind es heute die fiesen, spitzen und kleinen Masken aus Großarl. Doch auch hier gibt es wieder Bewegung: Mittlerweile konnten sich auch Schnitzer aus der Umgebung Salzburgs etablieren. Viele verschiedene Stilrichtungen existieren nebeneinander. Die Unterschiede dürften allerdings nur eingefleischten Experten auffallen. Auch beim Geläut gibt es Differenzen: Ist der rollende Klang der runden, geschlossenen Schellen, oder der hämmernde Lärm der geschmiedeten Kuhglocken das richtige für die grimmigen Gesellen? Ähnliche Optionen gibt es bei den Schlaginstrumenten. Der Pferdeschwanz sieht zwar mit seinem langen, wallenden Haar majestätisch aus, ist aber nicht sehr effizient beim Zuschlagen. Auch wenn die Schläge der Krampusse längst nicht mehr furchterregend und gefährlich sind, sollten doch ab und zu ein paar freche Knaben oder hübsche Mädchen spüren, was ein Krampus ist. Für diese Zwecke ist die Rute wieder geeigneter.

Von allen Modeströmungen unbeeinflußt bilden die Nikoläuse eine kleine Minderheit in der Gruppe. Weißer Bart ist weißer Bart, Krummstab ist Krummstab, und Robe ist Robe. Auch sonst sind sie etwas anders. Meist etwas älter und ruhiger, lieben sie die Macht des gesprochen Wortes. Aus Versicherungsvertretern, Ärzten, Studenten und sogar sozialdemokratischen Gemeindepolitikern setzt sich diese Spezies zusammen. Der typische Krampus ist zumeist jünger und genießt lieber die Anonymität unter der Maske. Das heißt nicht, daß er dabei seine Aggressionen abbaut. Solche Leute haben bei uns im Verein kein langes Auskommen. Was die Faszination ausmacht, wird ein Nicht-Krampus vielleicht erst am Ende dieses Berichtes - oder vielleicht nie richtig nachvollziehen können.

Viele von den heutigen Krampussen laufen schon seit unzähligen Jahren um den fünften Dezember auf den Straßen umher. Die Karriere beginnt als „Kramperl-Jager". „Krampus jagen" bedeutet: Vor dem Krampus davonzulaufen. Meist sind die Jäger so feige, daß noch nie ein Krampus je die Chance hatte, einem ein paar Hiebe zu versetzen. Später oder bereits parallel beginnt der typische „Kramperl-Jager" seine erste Ausrüstung zu fabrizieren: Zuerst eine Waschtrommel mit Kuhhörnern und ein alter Mantel. Werden die Jungen sechzehn Jahre alt, dann haben sie die Chance, bei den „echten Krampussen" aufgenommen zu werden. Dort sind einige schon über zehn Jahre dabei. Ich z.B. war mit sechs Jahren das erste Mal „Kramperl-Jagern", mit acht Jahren besaß ich meine erste Pappmaske und mit vierzehn die erste selbstgeschnitzte Holzmaske, die noch mehr einer Waschrumpel als einem schreckenerregenden Krampusgesicht glich. Seit sechzehn bin ich bei den „Niederalmer Krampussen".

Was macht nun die Faszination des Krampuslaufens aus: Viele Komponenten spielen hier zusammen. Eine Sache ist das Laufen selbst. Schon wenn man in die meist kalten, feuchten Felle steigt, beginnt eine innere Verwandlung: Plötzlich sieht man kaum mehr über seine Schultern, vor lauter Fell, das sich links und rechts auftut. Ja, wann hat man schon so höllisch breite Schultern? Der Glockengurt hat den angenehmen Nebeneffekt, daß er den Bauch einschnürt. Die richtige Statur für einen höllischen Gesellen ist somit gegeben. Mit oder ohne Maske, gewollt oder ungewollt, ab diesem Zeitpunkt ist man für alle Nichtkrampusse etwas anderes, und auf Schritt und Tritt zu hören. Noch ist man zwar nicht der Krampus mit der furchterregenden Maske, aber doch bereits nicht mehr ein normaler Mensch. Man bewegt sich auffälliger, und die Mächtigkeit des Felles gibt Kraft. Die Leichtigkeit des Krampus-Dasein beginnt: Üble Scherze, Mädchen anquatschen, Brüllen, Essen und Trinken.

Es gibt zwei Hauptunterschiede in der Rolle des Krampus: Einerseits der wüste Geselle bei den Läufen und Kränzchen, andererseits der Streichelbär für die Kinder.

Der Krampuslauf in Niederalm ist wohl die aufregendste Sache in der Saison. Alle stehen sie vor dem Feuerwehrhaus, das ganze Dorf und alle Freunde. Hunderte Leute warten bei Glühwein, Bier und Blasmusik auf ihre Krampusse. Wie immer viel zu spät, um die Spannung zu steigern, kommt das Signal. Von einem Hinterhalt rennen über zwanzig der haarigen Teufel los. In diesem Augenblick vergißt man, daß die Maske überall drückt und das Gewicht der Ausrüstung einen fast zu Boden reißt. Vom höllischen Lärm der unzähligen Glocken angespornt rasen die Krampusse in die aufgeregte Menschenmenge. Auch für die Zuschauer ist das der atemberaubendste Moment. Menschengassen tun sich vor einem auf, Kinder und Mädchen kreischen, einige Burschen werfen mit Schneebällen, Erwachsene mustern dich, und Großväter fühlen sich an ihre Jugend erinnert. Ein Brüller, ein Hieb mit der Rute in die Menschenmenge ... auf die Knie gefallen siehst du ein kleines, verängstigtes Kind vor dir stehen. Du beruhigst dich, die Glocken hören auf zu hämmern, brummelnd und gurrend fängst du an, das Kind zu streicheln. Es lacht, du ziehst ihm die Mütze über die Augen ... mit einem Satz springst du auf, das Kind heult wieder, und die Leute kreischen, ein weiterer Hieb in die Menge, und die Tour durch die Menschengasse geht weiter. Nach zehn Minuten bist du völlig ausgepumpt und verschwitzt. Die 15-20 Kilogramm hängen sich doch sehr an.

Nun beginnt die Durchhaltephase. Siehst du einen andern Krampus, stürzt du auf ihn zu: Eine Keilerei am Boden sieht immer atemberaubend aus und ist doch nicht sehr anstrengend. Mit neuer Kraft geht das Spiel weiter. Hinein in die Menschenmenge, ein Brüller ein Hieb. Zwischenzeitlich sondierst du, wer sich alles beim Lauf blicken läßt. Hübsche Frauen und gute Bekannte bekommen eine Sonderbehandlung (d.h. ein paar Hiebe mehr). Währenddessen machst du dir aus, wann du wo wen triffst. Immerhin wollen dir die Bekannten ja sagen, wie schmerzhaft die Schläge waren, und die Damen möchten sehen, ob sich unter der Maske nicht ein schöneres Gesicht verbirgt.

Das Ende des Laufes zieht sich. Immer weniger wird gesprungen, und mehr Kinder werden gestreichelt. Einige konditionsschwache Krampusse - wie ich - gelten nicht nur aus Kinderfreundlichkeit als Streichelkrampusse. Noch schnell einer auftoupierten Dame die Frisur zerstört und dem Pfarrer die Glatze poliert - denn ein Krampus hat Narrenfreiheit - und das Spektakel ist vorüber. Mit letzter Kraft findest du dich zum gemeinsamen Abtritt, wütest noch einmal mit dröhnenden Glocken und höllischem Geschrei durch die Massen - raus aus dem Hexenkessel, zu dem Platz, wo wir uns umgezogen hatten. Von der Pracht und der Gefährlichkeit ist nichts mehr zu sehen bei uns Krampussen. Mit roten Köpfen kauern wir am Boden, leeren ganze Wasserflaschen in unsere aufgeheizten Körper. Die Hitze dampft aus allen Öffnungen des Felles. Schon werden die ersten Schnurren erzählt, das „Krampusseemannsgarn". Wie toll haben wir doch nicht ausgesehen. Einer war auf der Hütte, wo Glühwein verkauft wurde, gestanden und ist mit einem Satz heruntergesprungen ...

Doch das teuflische Leben geht bei aller Erschöpfung weiter. Die Wirte warten auf unsere Auftritte. Ein Wirtshaus nach dem anderen klappern wir ab, ziehen einige Leute hinter den Tischen hervor und geben ihnen ein paar Hiebe. Ein Tisch wird abgeräumt, die Gläser fliegen, der Wein spritzt... macht alles nichts, denn heute ist Krampus. Dem Wirt ist es egal, solang sich der Schaden in Grenzen hält. Die Gäste lieben es, etwas herumgezerrt zu werden, denn für das sind sie ja heute gekommen. Echte schmerzhafte Schläge setzt es sowieso nicht. Die Ruten haben wir vorm Haus gelassen und hantieren mit den Pferdeschwänzen. Gelegentlich bekommt einer versehentlich eine Glocke ins Kreuz gedrückt oder ein Horn auf den Kopf geschlagen, bei unseren wilden Bewegungen. Aber auch das wird als normal hingenommen, da man als Krampus praktisch nichts sieht und mehr einem manövrierunfähigen Walroß als einem Teufel gleicht.

Nach dem Auftritt setzen wir Krampusse uns kurz ins Wirtshaus, trinken ein paar Biere und Schnäpse und essen eine Kleinigkeit. Ohne Maske sind wir hier die Könige. Von allen bestaunt, lassen wir ein paar Scherze fallen, quatschen irgendwelche Mädels an und ziehen weiter. Gegen Mitternacht sind fast alle Krampusse eingetroffen im Bau. Zwischenzeitlich hatten wir uns für die Kränzchen aufgeteilt. Erschöpft und schon mehr oder weniger angeheitert gehts endlich in die Duschen, den Gestank von den Fellen und den Schweiß abwaschen. Noch haben sich nicht alle wieder angezogen, schon geht das Feiern los. Der Proviant und das Trinken wird herbeigeschafft. Es wird die ganze Nacht gefeiert. Am Ende schlafen wir entweder auf den Fellen, oder gehen mit einigen Zwischenhalten bei Freunden oder Wirtshäusern doch nach Hause.

Am nächsten Tag geht's schon bald weiter. Hausbesuche stehen auf dem Programm. Immer zwei Krampusse ziehen mit einem Nikolaus und einem Fahrer umher. Längst sind nicht mehr alle Einsätze zu Fuß zu erledigen. Zur fast gleichen Zeit an verschiedenen Orten zu sein, ist nur so möglich. Hausbesuche sind ein Kapitel für sich. Meist wartet schon die ganze Familie von Enkerln bis Großeltern auf den Nikolaus und seine wüsten Gesellen. Lieder und riesige Geschenkskörbe sind vorbereitet. Zumeist sind es sehr schöne Familien-Idyllen, manchmal skurrile und gelegentlich auch traurige Erlebnisse, die man unter der Maske oder dem Nikolausbart mitbekommt. Die Krampusse spielen bei den Hausbesuchen eigentlich nur eine Statistenrolle, und sie dürfen maximal ein bißchen mit den Glocken bimmeln oder die Geschenke überreichen. Lustig ist es aber allemal, dem Nikolaus bei seinen Formulierungen zuzuhören, und rührend ist es, die Kinder zu beobachten, wie sie mit glasigen Augen den weißen, bärtigen Mann anhimmeln, ihm ein Gedichtlein aufsagen, selbstgemalte Geschenke überreichen und versprechen nicht mehr den Schnuller zu verwenden, die Mutter nicht mehr zu ärgern und die Hausaufgaben zu machen.

Nach den beschaulichen Momenten mit der Familie gibt der Vater zumeist einen Schnaps her. Nach zehn bis fünfzehn Hausbesuchen ist das dann schon zu spüren. Einige von uns sind richtige Hausbesuchexperten geworden. Man erlebt so viel wie sonst nirgendwo beim Krampuslaufen, hat ein ideal eingespieltes Team dabei und kennt schon die verschiedenen Hausgebräuche und Schnäpse der Familien. Zum Abschluß des Hausbesuchtages gibt es zumeist noch ein Kränzchen, wo auch die Krampusse zu etwas Bewegung kommen. Gegen zwölf Uhr kommen wir wieder alle in den Bau und freuen uns auf die Dusche und das Feiern danach...

Für alle Außenstehenden sind wir sicherlich unerträglich während dieser Zeit. Die meisten der Freundinnen ziehen es vor, uns in dieser Woche nicht zu sehen, denn das ist die Woche des wüsten Lebens. Nicht nur unter der Maske oder mit dem Fell ist man Krampus. Während der ganzen Woche färbt diese höllische Gestalt auf unser Wesen ab: Es ist die Woche des exzessiven und des regellosen Lebens. Der Fasching kann da in unseren Breiten bei weitem nicht mithalten.

Ja, und so geht das eine Woche dahin: Läufe, Kränzchen und Hausbesuche.

Völlig erschöpft, aufgedunsen vom vielen Essen und Trinken, motten wir nach dem letzten Auftritt unser Sachen ein, machen aus dem Bau wieder die Sportumkleidekabine, erholen uns von den durchzechten Nächten, specken ein paar Kilo ab und warten auf das nächste Jahr, bis der Nebel über die Felder zieht.

(F.M.)


III Krampus und Percht: „ain abgedisch Gotlos, verruechts wesen" - mythische Figuren aus dem Mittelalter?
(Ulrich Müller)

Das Treiben der maskierten Perchten und Krampusse gehört sicherlich in den großen, ja weltweiten Kontext des Sich-Maskierens zu bestimmten Terminen, verbunden mit bestimmten Freiheiten und Lizenzen für die Beteiligten. Naheliegend ist ein Vergleich mit dem Masken-Treiben der alemannischen Fasnet, deren Masken teilweise eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Schiachperchten aufweisen. Dieselbe Faszination des Maskierens und deren Beobachten kann man aber auch bei sehr viel ruhigeren Anlässen dieser Art feststellen, etwa beim Venezianischen Carneval (der übrigens in den letzten Jahren gleichfalls eine erstaunliche Renaissance erlebt hat). Zur geradezu archetypischen, fast atavistischen Freude am Maskieren und Verkleiden kommt die Freude am erlaubten, wenn auch mehr oder minder genau begrenzten Exzess. Kurzfristige Verkehrung des Normalen, die genau terminierte Erlaubnis zum Über-die-Stränge-Schlagen findet sich in vielen Kulturen - erinnert sei nur an die römischen „Saturnalien" oder die mittelalterlichen „Knabenbischöfe" (10) (oder an den heutigen Karneval der unterschiedlichsten Ausprägung). Und daß es zumeist Gruppen, 'Banden', 'Vereine' junger Männer sind, die sich hier zusammentun und austoben, ist gleichfalls kennzeichnend. (11) All dies findet sich sicherlich auch bei den alpenländischen Perchten und Krampussen. Doch noch weiteres kommt hier wohl hinzu:

Zumindest die Schiachperchten, mit ihren grotesk-häßlichen und tatsächlich furchteinflößenden Masken, die ursprünglich über die Felder und von Haus zu Haus zogen, erinnern auch an Teufelsgestalten - oder an noch ältere, vorchristliche Dämonen. Denn es ist nicht nachzuweisen, und die moderne Volkskunde ist in diesem Punkt auch vorsichtig bis abwehrend: Heutige Volksmeinung ist aber fast einhellig, daß das Treiben der Perchten und Krampusse alte 'heidnische' Wurzeln habe und zusammenhinge mit vorchristlichen Ritualien der Bekämpfung und des Vertreibens des Winters.

Wirklich beweisbar ist es nicht, aber schon der Augenschein spricht dafür, daß die wilden Masken unter anderem auch sozusagen domestizierte Teufels-Verkörperungen sind, die an bestimmten Terminen und in einem genau umgrenzten Rahmen ihr Unwesen treiben dürfen. Und fast schon eine Frage der persönlichen Weltanschauung, ja Ideologie ist es, wie es um die sogenannten 'heidnischen' also die vorchristlichen Wurzeln steht. Die historischen Belege für die Perchten können hier letztlich nicht weiterhelfen, weder in der einen noch der anderen Hinsicht: Sie zeigen zwar, daß diese Tradition mindestens bis ins späte Mittelalter nachweisbar ist, aber über die frühere Zeit und die eigentlichen Wurzeln kann dies alles nichts aussagen - Brauchtümliches hat es ja oft an sich, daß es erst verhältnismäßig spät schriftlich oder sonstwie dokumentiert wird (unter anderem durch offizielle Verbote).

Den umfassendsten Versuch, das Perchten-Treiben in einen großen mythischen Kontext zu stellen, unternahm der französische Ethnologe Henri Rey-Flaud 1985: Er sieht das Perchten-Treiben in Verbindung mit dem Mythos des germanischen Gottes Odin, dessen Wilder Jagd, den Rüge- und Straf-Ritualien des Haberfeld-Treibens und der Charivaris (12), und er lokalisiert das Zentrum des Ganzen um den Salzburger Untersberg und den mit diesem Berg verbundenen Mythos vom Schlafenden Kaiser, (13) welcher dereinst auf dem Walserfeld (nördlich von Salzburg) den Antichrist bekämpfen und besiegen und anschließend das Tausendjährige Friedensreich, das dann mit dem Ende der Welt und dem Jüngsten Gericht seinen Abschluß und sein Ziel findet, heraufführen würde. Rey-Flaud verknüpft das von ihm geknüpfte 'mythische' Netzwerk auch mit der modernen Geschichte, wenn er postuliert, daß die Wahl des Obersalzbergs als Feriensitz für Hitler kein bloßer Zufall und nicht durch die Schönheit der Landschaft verursacht worden sei, sondern - vielleicht halb- oder gar unterbewußt - gesteuert worden wäre durch den alten Mythos von den Perchten und dem Untersberg (der ja in Blicknähe zum Obersalzberg liegt. So überzogen diese Theorie auf den ersten Blick wirkt und sowenig Zuspruch sie bei den Volkskunde-Fachleuten (insbesondere denen der betroffenen Gegend) gefunden hat, so sollte sie doch nicht sofort als Beispiel einer entfesselten wissenschaftlichen Phantasie und Beziehungssucht verwiesen werden - denn möglicherweise hat der Verfasser hier zumindest etwas erahnt, was sich im einzelnen aber nicht oder nur ganz schwer glaubhaft machen und beweisen läßt.

Daß die Tradition von Percht und Krampus aber zumindest bis ins (christliche) Mittelalter zurückreicht, ist wohl eindeutig; inwieweit noch ältere Bräuche darin aufgenommen wurden, wie es bei der Überlagerung durch einen neuen und 'siegreichen' Glauben immer wieder geschieht (und an der Geschichte der christlichen Volkskultur unschwer abzulesen ist), ist unsicher. Die heutigen Mitwirkenden und auch Beobachter beim Treiben der Perchten und Krampusse sind davon jedoch, ohne langes Überlegen, mehr oder minder fest von einer (sehr) alten Tradition überzeugt, und dies wird durch die moderne Perchten-und Krampus-Renaissance auch nicht falsifiziert. Daß der offensichtlich revitalisierte, nicht aber neuerfundene oder von anderswo her importierte Brauch und seine Figuren - Krampus und Schiachpercht - für die Beteiligten eine 'mythische Faszination' haben, die rational nicht so recht erklärbar ist und die man einfach miterlebt haben muß: dies ließ vielleicht Kap.2 unseres Beitrages erahnen.

Daß es der Obrigkeit mit jenem Treiben stets unheimlich war, zeigt eine Verlautbarung des Berchtesgadener Hofrats vom 7.Januar 1601, (14) also einen Tag nach Dreikönig:

Ir habt zweifelsohn negst verganngene Nacht, am Vor Aben der heilligen drei Khinnigen, nit weniger als ich selb, was für ain merckhliche grosse unzucht, mit dem Percht-Lauffen, allda beim Marckht für übergangen, (wil geschweigen das ungezweifelt auf dem Gei noch villmerers beschechen) angehert unnd vernumben, weillen dann dis ain abgedisch Gotlos, verruechts wesen, dabei aller hanndt grosse Sündt unnd allerlai Übels fürgeet, unnd einlaufft, Ist derwegen solches Umblauffen, verschinen etliches Jar, nit unbillich bei vermeidung ernnstlicher straff offentlich Abgeschafft, unnd (ver)podten, unnd seidhero meines wissens nit widerruefft oder bewilligt worden ...
Also ist mein bevelch, das Ir die Jhenigen, so sich in disem Perchtlauffen gebraucht, mit allem fleiß, sovill Imer müglich erkhundiget, dieselben erfordert unnd zugebürlicher stroff ziechet, vnnd nembt, vnnd darunndter solchen Ernst verweist unnd maß gebraucht, damit sy fürter der Obrigkhait gepot unnd Verpot in besserm Respect halten
vnnd erkhennen ...

Genützt hat das erneute „Gebot und Verbot der Obrigkeit" - wie sich erweisen sollte - allerdings nichts.

(U.M.)



Bibliographische Hinweise

Andree-Eysn, Marie: Die Perchten im Salzburgischen. In: Volkskundliches aus dem bayerisch-österreichischen Alpengebiet. Braunschweig 1910 (Nachdruck Hildesheim 1978), S.156-184
Bausinger, Hermann: Da capo: Folklorismus. In: Lehmann, Albrecht; Kuntz, Andreas (Hrsg.): Sichtweisen der Volkskunde. Zur Geschichte und Forschungspraxis einer Disziplin. Festschrift für Gerhard Lutz zum 60.Geburtstag. Berlin/Hamburg 1988, S.321- 328
Haiding, Karl: Berchtenbräuche im steirischen Ennsbereich. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Bd.95 (1965), S.322-338 Hutter, Ernestine; Hörmann, Fritz: Maske, Mystik, Brauch. Perchten im Land Salzburg. Werfen 1992 (Schriftenreihe des Museumsvereins Werfen, Bd. 9) [Überblick mit vielen Abbildungen]
Köstlin, Konrad: Folkore, Folklorismus und Modernisierung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Bd. 87 (1991), S.46-66
Köstlin, Konrad: Folklorismus und Ben Akiba. In: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, Bd. 20 (1969), S.233-256
Kutter, Wilhelm; unter Mitarbeit von Frieder Knauss: Schwäbisch-alemannische Fasnacht. Künzelsau/Thalwil/Salzburg 1976 [Überblick mit vielen Abbildungen] Masken und Maskenbrauchtum aus Ost- und Südosteuropa. Hrsg. von Robert Wildhaber. Bonn 1968
Moser, Hans: Volksbräuche im geschichtlichen Wandel. Ergebnisse aus fünfzig Jahren volkskundlicher Quellenforschung. München 1985 [Aufsatzsammlung]
Muchembled, Robert: Die Jugend und die Volkskultur im 15.Jahrhundert. In: Dinzelbacher, Peter; Mück, Hans Dieter (Hrsg.): Volkskultur des europäischen Spätmittelalters. Stuttgart 1987 (Kröners Taschenausgabe, Bd. 662), S.35-58
Prodinger, Friederike: Beiträge zur Perchtenforschung. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. 100 (1960), S.545-563
Prodinger, Friederike: Perchtenbilder aus dem 18.Jahrhundert. In: Jahresschrift, Salzburger Museum Carolino Augusteum, Bd. 4 (1959), S.123-142
Rey-Flaud, Henri: Le Charivari. Les rituels fondamentaux de la sexualité. Paris 1985 (Bibliothèque scientifique)
Riesen. Hrsg. von Roland Floismair und Lucia Luidold. Salzburg/München 1996 Rumpf, Marianne: Perchten. Populäre Glaubensgestalt zwischen Mythos und Katechese. Würzburg 1991 (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Bd. 12) [mit einer umfangreichen Bibliographie]
Sagenhafter Untersberg. Die Untersbergsage in Entwicklung und Rezeption. Richard Wolfram zum 90.Geburtstag gewidmet. Hrsg. von Ulrike Kammerhofer-Aggermann unter Mitarbeit von Katharina Krenn. Salzburg 1991/1992 (Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Bd. 5)
Salzburger Kulturlexikon. Herausgegeben von Adolf Haslinger und Peter Mittermayr. Salzburg 1987
Schubladen, Hans: Auf der Suche nach Geschichte - Selbstfindung im Mythos. Zu Neuschöpfungen steirischer Nikololäufe. In: Burkhard Pöttler u.a. (Hrsg.): Innovation und Wandel. Festschrift für Oskar Maser zum 80.Geburtstag (Veröffentlichungen des österreichischen Fachverbandes für Volkskunde), Graz 1994, S.377-395
Schubladen, Hans: Bayerische Perchtenbräuche im 20.Jahrhundert. Gedanken zu Aktualisierungen von Traditionsbedürfnis zwischen Volks-Kultur und Kultur-Industrie. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1985, S.1-23
Schubladen, Hans: Zur Geschichte von Perchtenbräuchen im Berchtesgadener Land, in Tirol und Salzburg vom 16. bis zum 19.Jahrhundert. Grundlagen zur Analyse heutigen Traditionsverständnisses. In: Bayerische Hefte für Volkskunde 1983/4, S.1-29.
Wolfram, Richard: Das Nikolausbrauchtum in Tirol. Bestand, Raumbilder und Zeitschichten. In: Tiroler Heimat, Bd. 37 (1974), S.127-149
Wolfram, Richard: Percht und Perchtengestalten. In: Österreichischer Volkskunde-Atlas. Kommentar Bd.VII (Lieferung 6, Teil 2), Wien 1980, S.1-122, 30 Abbildungen.
Wolfram, Richard: Von der Brauchtumsaufnahme im Lande Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. 92 (1952), S.161-180


Fußnoten
(1) Der einheitliche Singular und Plural im Dialekt lautet heute: 'Kramperl'; ursprünglich war damit aber, noch Auskunft von philologischen Dialektsprechern, doch ein eher 'kleinerer Krampus' gemeint.

(2) Salzburger Kulturlexikon. Hrsg. von Adolf Haslinger und Peter Mittermayr. Salzburg 1987, S.370.

(3) Siehe Fn.1.

(4) Das Folgende weitgehend nach: Wolfram, Richard: Percht und Perchtengestalten. In: Österreichischer Volkskunde-Atlas. Kommentar Bd.VII (Lieferung 6, Teil 2), Wien 1980, S.1-122; sowie: Rumpf, Marianne: Perchten. Populäre Glaubensgestalt zwischen Mythos und Katechese. Würzburg 1991 (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Bd. 12).

(5) Schmeller, Andreas: Bayerisches Wörterbuch I, München 1872, S.269.

(6) Erstmals bezeugt bei Christin Gottlob Haltaus: Calendarium Medii aevi praecipue Germanicarum. Leipzig 1729.

(7) Spätestens hier sind einige Informationen zu den beiden Verfassern dieses Beitrages und ihren Bezügen zum Thema nötig, da gerade bei einem solchen Gegenstand die jeweilige persönlich Perspektive von entscheidender Bedeutung ist bzw. sein kann: Ulrich Müller (geb.1940), der im Rahmen seines Germanistik-Studiums an der Universität Tübingen erstmals durch Hermann Bausinger auch mit Volkskunde in Kontakt kam, war in seiner Stuttgarter Assistentenzeit, zusammen mit seinen dortigen Kollegen und Studierenden, regelmäßiger Exkursions-Besucher von alemannischen Fasnet-Orten; seit Anfang der Siebziger Jahres zuerst gastweise, dann ab 1976 für ständig im Süden Salzburgs ansässig konnte er das dortige *Krampus**-/*Perchten**-Treiben aus unmittelbarer Nähe beobachten. An diesem war und ist bis heute Felix Müller (geb.1974, Sohn des Erstgenannten) aktiv beteiligt. Der hier abgedruckte Beitrag behandelt das Thema aus einer doppelten Perspektive (siehe dazu auch unten), nämlich als fach-germanistischer Beobachter (U.M.: Kap.I und III) und als aktiv Mitwirkender (F.M.: Kap.II). - Für wertvolle Hilfe und für Auskünfte danken die Verfasser: Ulrike Kammerhofer (Salzburg); Angelika und Franz Viktor Spechtler (Salzburg/Grödig) sowie Alfred Winter (Salzburg).

(8) Schubladen, Hans: Auf der Suche nach Geschichte - Selbstfindung im Mythos. Zu Neuschöpfungen steirischer Nikololäufe. In: Burkhard Pöttler (...) (Hrsg.): Innovation und Wandel. Festschrift für Oskar Maser zum 80.Geburtstag (Veröffentlichungen des österreichischen Fachverbandes für Volkskunde), Graz 1994, S.377-395, dort S.392.

(9) Entsprechend ca. 1.120 bis 2.100 DM oder 600 bis 1.100 ¤.

(10) Der gewählte Anführer (abbas, episcopus) bei den mittelalterlichen Narrenfesten der Jungkleriker und Kinder.

(11) Siehe dazu, am Beispiel des Spätmittelalters in Flandern und dem Artois, etwa Muchembled, Robert: Die Jugend und die Volkskultur im 15.Jahrhundert. In: Dinzelbacher, Peter; Mück, Hans-Dieter (Hrsg.): Volkskultur des europäischen Spätmittelalters. Stuttgart 1987 (Kröners Taschenausgabe, Bd. 662), S.35-58.

(12) Die Etymologie des Wortes Charivari ist ungeklärt; bezeichnet wird damit ein Rüge-Umzug mit lautem Lärm (Katzenmusik); siehe dazu den zusammenfassenden Artikel von Kramer, K.-S.: Rügebräuche, in: Lexikon des Mittelalters Bd.VII/5 (1994), Sp.1090f. [mit Literaturhinweisen].

(13) Er suggeriert auch eine Beziehung zwischen der Bezeichnung 'Percht' und dem Ortsnamen des
nahegelegenen Berchtesgaden. Allgemein wird der Ortsname von dem Personennamen "Berchtold" abgeleitet, in dem, wie oben ausgeführt, das ahd. Wort "peraht/beraht" steckt.

(14) Zitiert und abgebildet bei Schubladen, Hans: Zur Geschichte von Perchtenbräuchen im Berchtesgadener Land, in Tirol und Salzburg vom 16. bis zum 19.Jahrhundert. Grundlagen zur Analyse heutigen Traditionsverständnisses. In: Bayerische Hefte für Volkskunde 1983/4, S.1-29, dort S.4 und 6.


Müller, Felix / Müller, Ulrich: Percht und Krampus, Kramperl und Schiach-Perchten. In: Müller, Ulrich / Wunderlich, Werner (Hrsg.): Mittelalter-Mythen 2. Dämonen-Monster-Fabelwesen. St. Gallen 1999, S. 449 - 460